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Wir schreiben das Jahr 1879. In der Schlucht droht ein unerbittlicher Kampf. Mehrere Menschen lassen ihr Leben. Gleise fliegen in die Luft. Bahnhöfe und Lokschuppen werden belagert. Wild-West-Legende und Sheriff Wyatt Earp kämpft Seite an Seite mit seinem Freund und Stellvertreter Bat Masterson im so genannten „Royal Gorge (Railroad) War“. Zwei konkurrierende Eisenbahngesellschaften streiten sich um den begrenzten Raum. Denn beide wollen ein Gleis durch die enge Schlucht bauen. Platz ist aber nur für eine. Der „Arkansas-River“ lässt nur wenige Möglichkeiten. Und beide Gesellschaften tragen einen großen Namen.

Auf der einen Seite steht die „Atchison, Topeka & Santa Fe Railway“ – kurz „ATSF“ oder „Santa Fe“. Sie bedient sich der Hilfe der beiden Westernhelden und gewinnt den „Kampf“ zunächst. Auf der anderen Seite steht ein nicht weniger prominenter Kandidat: Die „Denver & Rio Grande Western Railroad“ – kurz „D&RGW“ oder „Rio Grande“. Sie entscheidet den Streit letztendlich vor Gericht für sich – und zwar am 27.03.1880 in Leadville, Colorado.

Heute geht es etwas beschaulicher zu in der „königlichen Schlucht“. Doch zu erleben gibt es immer noch eine ganze Menge. Denn neben der Touristenbahn „Royal Gorge Route Railroad“ kann man unter anderem die ehemals höchste Hängebrücke und die steilste Standseilbahn der USA bestaunen.


Die ehemals höchste Hängebrücke der Welt überspannt die Schlucht der "Royal Gorge".


Die Schlucht und ihre Umgebung

Den „Grand Canyon of the Arkansas“ findet man unweit von Canon City, einer beschaulichen Kleinstadt in Colorado. Neben dem üblichen Fast-Food- und Übernachtungsangebot weist die Stadt allerdings noch eine Besonderheit auf. Denn sie ist „Gefängnishauptstadt“ der USA. Aus der Masse der vielen Zuchthäuser ragt dabei das „Supermax“ – ein hochmodernes Gefängnis auf dem aktuellsten Stand der Technik – heraus, das im Volksmund auch „Alcatraz of the Rocky Mountains“ genannt wird. Wer etwas Zeit hat oder sowieso in die Richtung möchte, macht von hier aus einen Abstecher nach Cripple Creek, einer kleinen Glücksspielstadt mit Museumseisenbahn. Dazu benutzt er die „Phantom Canyon Road“ – eine unbefestigte Straße und alte Eisenbahnlinie, die für versierte Autofahrer gerade nach einem Regenschauer eine Herausforderung darstellt.


Das Gleis schmiegt sich dicht an die Schlucht - der Arkansas-River lässt nicht viel Platz.


Die Schlucht selbst ist etwa 16 Kilometer lang, bis zu 380 Meter tief und weist im Tal teilweise eine Breite von nur 15 Metern auf. Durch sie schlängelt sich die Eisenbahnstrecke, auf der sich – bis auf lokalen Güterverkehr und die Touristenzüge der „Royal Gorge Route Railroad“ – seit 1997 nichts mehr tut. Denn zu diesem Zeitpunkt wurde die Strecke von ihrem neuen Eigentümer – der „Union Pacific Railroad (UP)“ – offiziell außer Betrieb gesetzt und zumindest teilweise stillgelegt. Zuvor war sie eingebunden in die „Tennessee-Pass-Line/Royal-Gorge-Route (von Salida nach Glenwood Springs, beide in Colorado)“ der Denver & Rio Grande Western Railroad. Nachdem diese 1988 den weitaus größeren Konkurrenten „Southern Pacific Transportation (SP)“ übernahm, aus Imagegründen aber dessen Namen behielt und nur in „Southern Pacific Lines“ umänderte, ging sie 1996 schließlich in der Union Pacific auf.

Auf der Strecke konnte man lange Jahre insbesondere gemischte Güterzüge und lange Kohlezüge mit mehreren Lokomotiven am Zuganfang, am Zugende und manchmal auch in der Zugmitte beobachten. Ihre Motoren mit 2 oder 4 Ventilen erzeugten einen unverwechselbaren Klang in der Schlucht. Geht man in der Geschichte noch weiter zurück, findet man seit 1880 sogar Personenverkehr. Die Denver & Rio Grande Western Railroad setzte zwischen 1882 und 1967 Fernreisezüge auf ihrer transkontinentalen Strecke von Denver, Colorado nach Salt Lake City, Utah ein. War die Strecke zunächst schmalspurig – wie ein Großteil des Streckennetzes –, hat man sie relativ schnell auf Normalspur umgebaut.


In Parkdale trifft der Sonderzug auf einen der weniger Güterzüge auf der Strecke - gezogen von Union Pacific-Loks.


Nach der Stilllegung wurde die Strecke 1998 jeweils zur Hälfte an die „Canon City & Royal Gorge Railroad (CC&RG – heute Royal Gorge Route Railroad)“ und die „Rock & Rail; LLC (RRRR)“ verkauft. Letzte betreibt einen großen Steinbruch in Parkdale, Colorado. Der Wagonaustausch findet dabei mit der Union Pacific in Canon City, Colorado und der „Burlington Northern Santa Fe Rayilway (BNSF)“ in Pueblo, Colorado statt. Die Strecke wird von der zentralen Leitstelle der Union Pacific in Omaha, Nebraska überwacht.

Die berühmte Brücke wurde im Jahr 1929 in nur sieben Monaten erbaut. Bis 2003 war sie die höchste Hängebrücke der Welt. Sie ist 387 Meter lang, schwebt an der höchsten Stelle 321 Meter über dem Grund und wurde kürzlich zu einer der angsteinflößensten Brücken weltweit gewählt. Eigentümerin ist die Stadt Canon City. Die Brücke besteht hauptsächlich aus Stahl und aus Holz. 1.270 Holzbalken, von denen jedes Jahr rund 250 ausgetauscht werden, erlauben den Besuchern – teilweise sogar mit ihren Autos –, die Brücke zu überqueren. Neben ihr führt zusätzlich eine parallel verlaufende Seilbahn über die Schlucht.


Die 5,20 Meter breiten Holzbretter der Brücke müssen nach und nach immer wieder ausgewechselt werden.


Die steilste Standseilbahn der USA bringt Besucher vom Parkeingang im 45-Grad-Winkel und knapp sechs Minuten Fahrzeit bis auf den Grund der Schlucht. Hier kann man bestaunen, wie Gleis und Fluss sich dieselbe teilen. An dieser Stelle der Strecke ist die Royal Gorge so eng, dass man die Strecke „aufhängen“ musste. Dazu befestigte man eine Stahlbrücke auf der einen Seite an der Felswand; die andere Seite hängt an Querstreben, die in einem leichten Winkel in beiden Seiten der Schlucht im Fels verankert worden sind. Früher konnten sich Passagiere der Fernreisezüge der Denver & Rio Grande Western bei einem kurzen Aufenthalt selbst von dieser Konstruktion überzeugen – ebenso natürlich wie von der senkrecht über ihnen thronenden Hängebrücke.

Um selbige überqueren zu können, muss man sich zunächst Zugang zum gleichnamigen Park verschaffen. Diesen erhält man durch den Erwerb eines Tickets zum Preis von etwa 20 Euro. Für Kinder und Senioren gibt es Rabatte. Im Preis enthalten sind auch Fahrten mit der Seil- und der Standseilbahn, zahlreiche Touristenshops und der Besuch eines Tiergeheges. Wer mehr Adrenalin braucht, kann gegen Aufpreis den „Skycoaster“ benutzen – man wird in waagerechter Position hängend in Richtung Schlucht geschleudert – oder sich mittels eines Bungee-Seils von Brücke stürzen. Wer Wasser mag, kann übrigens auch raften – der Arkansas-River verläuft etliche Kilometer parallel zur Bahnlinie und bietet eine gute Möglichkeit, lokale Güterzüge und die Touristenzüge der Royal Gorge Route Railroad aus einer etwas anderen Perspektive zu beobachten.


Neben der Brücke überspannt auch das Seil der Seilbahn die imposante Schlucht.


Die Royal Gorge Route Railroad

Personenverkehr gibt es seit Mai 1999 wieder auf der Strecke. Die Züge der Royal Gorge Route Railroad (vormals: Canon City & Royal Gorge Railroad) bewältigen die etwa 20 Kilometer lange Strecke von Canon City nach Parkdale in Sommermonaten mehrmals am Tag. Das billigste Ticket kostet dabei rund 25 Euro und berechtigt jeden Fahrgast, neben seinem Sitzplatz in der „Coach Class“ auch einen offen Wagen zu besuchen. Wer etwas mehr Geld ausgibt, kann die spektakuläre Landschaft auch vom „Vista Dome (Aussichtswagen)“ aus genießen. Spezielle Angebote, sowie die Möglichkeit, auf dem Führerstand mitzufahren, runden das umfangreiche Angebot ab.


Auch offene Aussichtswagen werden bei schönem Weitter eingesetzt.


Die Sitzwagen stammen von der „Canadian National“, einer der beiden großen Eisenbahngesellschaften in Kanada. Sie wurden Mitte der 1950er Jahre überarbeitet und waren auf der transkontinentalen Strecke von Montréal/Toronto bis nach Vancouver im Einsatz bis sie 1998 in Colorado ein neues Zuhause fanden. Die vier Aussichtswagen ergänzen das Portfolio seit 2005/2006. Sie kommen ursprünglich aus Alaska.

Als Zugloks kommen in der Regel – je nach Zuglänge – eine bis drei EMD F7 zum Einsatz. Die A-Units (mit Führerstand) mit den Nummern 402 und 403 wurden in den Jahren 1949 und 1950 für die „Chicago & Northwestern Railway“ zunächst als Güterzuglokomotiven gebaut. Später hat man sie dann für den schnellen Personenvorortverkehr rund um Chicago zu umgebaut. Als die Union Pacific sie nach der Übernahme der Chicago & Northwestern Railway in ihren Fahrzeugpark integrierte, erreichten diese zeitlosen Maschinen bei ihren Einsätzen sogar Geschwindigkeiten bis etwa 160 km/h. Die B-Unit (ohne Führerstand) mit der Nummer 1503 erwarb man von der „Alaska Railroad“. Darüber hinaus gibt es noch eine EMD SD9 mit der Nummer 5305, die ursprünglich bei der Denver & Rio Grande Western Railroad im Einsatz war, sowie eine EMD GP7 mit der Nummer 2283. Kommt nur eine Lok zum Einsatz, findet man am anderen Zugende einen Steuerwagen, der aus einem altern Güterwagen entstand.


Zwei EMD F7-Units - eine mit und eine ohne Führerstand - sind auf der Hinfahrt nach Parkdale an der Zugspitze.


Die Royal Gorge Route Railroad wurde vom renommierten US-Fachmagazin „TRAINS“ kürzlich zu einer der Top-8-Eisenbahnerlebnisse der USA gekührt. Und das stimmt auch …


Text: Daniel Michalsky | Bilder: Daniel Michalsky